07.06.2014

YOLO You only love once

Dass der Mensch auch außerhalb einer monogamen Beziehung andere Menschen (sexuell) attraktiv finden kann, ist ja nichts Neues. Außer vielleicht für manche Pärchen, die in ihrer rosafarbenen Liebeswolke sind, grundsätzlich nur im "wir" reden, aneinander festkleben und im besten Fall wie Geschwister aussehen. (btw hier ein schöner Roman zum Thema Inzest; still a better love story than Twilight)

Monogamie ist also für viele das Ideal. Schließlich sind Exklusivität, Vertrauen und Sicherheit Dinge, die einem Rückhalt geben. Die Bindung an eine Person, sowohl sexuell, als auch liebestechnisch gehen mit diesem Beziehunsgmodell einher. Doch wie realistisch ist dieses Konzept nun und wie lange kann man es aufrechterhalten? Scheinbar ist es doch nicht so einfach nur mit einer Person zusammen zu sein, wie es mancherorts suggeriert wird. Will man aber trotzdem nicht von der Gesellschaft geächtet werden, stürtzt man sich von Beziehung zu Beziehung. Serielle Monogamie ist das Stichwort. Man bindet sich für einige Jährchen an einen Partner und ist diesem treu. Sollte auch nicht schwer sein, wenn man die Aussicht hat, sich immer wieder trennen zu können, wenn man das Gefühl hat, dass es "nicht mehr klappt". Deshalb gibt es ja zum Glück Scheidungen. Für diejenigen, die merken, dass die Erfüllung nicht nur in einem Menschen zu finden ist und dass das mit dem Ehekonzept dann wohl nicht ganz so kongruent ist. 

Ein absolutes Tabu ist es scheinbar auch, dass man zwar gleichzeitig mit verschiedenen Menschen sexuell intim werden kann, aber die Liebe wird herausgenommen und emporgestellt, als etwas Reines, das ausschließlich zwischen zwei Personen existieren kann. Gern wird das Zitat von Johnny Depp in diesen Zusammenhang gebracht: 

"Wenn du zwei Menschen zur gleichen Zeit liebst, dann entscheide dich für den Zweiten, denn wenn du den Ersten wirklich geliebt hättest, hättest du dich nicht in den Zweiten verliebt."

That's the dumbest thing I heard in my life. Wenn man nach und nach verschiedene Personen lieben kann, so kann man das auch gleichzeitig. Man liebt ja auch seine Freunde, seine Eltern, alles gleichzeitig. Dass die Liebe eine etwas Andere ist, spielt sicherlich wenig eine Rolle. Ein weiteres Zitat aus dem wunderbarsten Film aus 2014 untermalt jedenfalls meine Sichtweise:


"The heart is not like a box that gets filled up; it expands in size the more you love. I'm different from you. This doesn't make me love you any less. It actually makes me love you more. " Und dabei stammt das Zitat nicht mal von einem Menschen, sondern von einer künstlichen Intelligenz (Samantha, gesprochen von Scarlett Johanssons Stimme <3). Dieser Film hat so viel Wärme, so viel Liebe und regt zum Nachdenken an.



Kommentare:

  1. Ich stimme deiner Beobachtung in diesem Thema gerne zu. Diese "serielle Monogamie" ist in meinen Augen aber sehr typenabhängig. Ich kenne Mädchen/Jugen, die wahrscheinlich seit ihrem 13. oder 14. Lebensjahr immer einen Freund/Freundin an ihrer Seite haben, allerdings gerne mal einen/eine neuen. Andereseits kenne ich genauso gut Personen, die noch nie einen Partner hatten bzw. schon seit vielen Jahren mit der selben Person zusammen sind.
    So wie alle Personen verschieden sind, so sind es auch die Lebensentwürfe. Für mich ist es immer nur wichtig, dass die Personen mit ihrem (Liebes)leben zufrieden sind.
    Was ich aber wirklich interessant von dir wirklich gut angemerkt finde ist, das ONS, offene Beziehungen und ähnliches mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert sind, eine Polygame Beziehung jedoch sehr kritisch beäugt wird. Zwar stelle ich es mir persönlich sehr schwierig vor, diese besondere Form der Aufmerksamkeit, die man in einer Beziehung für einen Partner aufbringen sollte für zwei oder mehr Personen aufzubringen, aber warum sollte es unmöglich sein?

    Ein schönes Pfingstwochenende wünscht,
    Pearl.

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  2. Mich nervt dieses Sex hier Sex da, bei ner Menge Menschen in meinem Umfeld denk ich "Alter, haben die eigentlich nur Ficken im Hirn?"

    Polygame Beziehungen...mein Fall ist ist es nicht, mir ist Sex aber prinzipiell nicht sooo wichtig. Ich gehöre wohl zu den extrem wenigen Menschen, die nicht uuunbedingt Sex in der Beziehung brauchen und bei der es nicht heißt "Hm kein Sex mehr? Dann such ich mir nen anderen."

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    1. Dann wärst du eine tolerante Person, wenn dein Partner sich sexuell umgucken würde? Polygame Beziehungen sind ja für die wenigsten okay, aber wohl eher, weil man damit aufgewachsen ist, dass das total seltsam ist.

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  3. zum Thema lesenswerte Inzest-Bücher: "Die Lewins" von Gita Lehr. gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. und sehr schöner, sehr wahrer Text von dir. den Film möchte ich auch noch schauen, hab schon viel Gutes davon gehört :)

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  4. guter Text ! Ich habe sehr lange gebraucht um zu dieser Erkenntnis zu gelangen

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  5. Genau diese Meinung hatte ich meine gesamte Teenager-Zeit über, doch inzwischen stell ich sie in Frage, obwohl sie gerade von sämtlichen Printmedien propagiert wird (NEON, Zeit etc.). So ein Tabu ist das gar nicht mehr ;) Obwohl ich nicht unbedingt ein Fan von dieser Menschen-können-nicht-treu-sein-also-versucht's-erst-gar-nicht Einstellung bin, genauso wenig aber auch davon von Beziehung zu Beziehung zu rennen einfach weil's so bequem ist.

    Aber ich frage mich, wie realistisch ist es wirklich eine polygame oder offene Beziehung aufrechtzuerhalten? Ich hab inzwischen einige Pärchen kennengelernt, die sich dieser Beziehungsform gestellt haben. Ich fand das immer sehr bewundernswert und gesund. Vor allem dass sie sich trotzdem vertrauen konnten. Letztendlich sind aber alle mir bekannten Beziehungen genau daran gescheitert, obwohl sie immer selbstbewusst zu ihrer Partnerschaft standen. Allerdings ist es meistens insbesondere an genau einer der beiden oder drei Personen gescheitert. Es scheint doch nicht so einfach zu sein, auch wenn man versucht die Sache ganz rational zu betrachten. Menschen sind nun mal nicht rational. Sexuelle Intimität ist offensichtlich für die meisten doch noch nicht auf einen Trieb reduziert, wie auf Klo gehen, sondern wenn Liebe im Spiel ist auch ein emotionales Ding, das ungern mit mehr als einer Person geteilt wird. Klar, gewisse gesellschaftliche Wertvorstellungen spielen da eine Rolle. Spielen sie aber immer, ob das nun menschliches Miteinander, Gesetze, Wissenschaft etc. betrifft. Deshalb sind in anderen Gesellschaften Bi-oder Polygamie kein Problem. Man kann natürlich in Frage stellen dass z.B. polygame Ehen in Deutschland verboten sind. Aber da könnte man mit Juristen Stunden drüber diskutieren :D

    Man muss sich für Monogamie bewusst entscheiden, wenn man in einer längeren Beziehung ist. Davor machen es einem die Hormone ganz einfach. Aber ich stelle in Frage, ob das wirklich so ungesund ist wie man das neuerdings behauptet. Wenn's zu einer richtigen Belastung wird: Natürlich, ich bezweifle auch nicht, dass es einigen Menschen so geht. Aber wenn es nur bedeutet nicht jedem neuen Reiz gleich zu verfallen: Machbar, wenn es für eine stabile Beziehung mit jemandem, den man liebt, nötig ist.Und die meisten suchen auch nach einer Phase voller One-Night-Stands oft nach einer festen Partnerschaft und der Gedanke, dass der Partner mit jemanden anderen schläft wird trotz der liberalen Sexualmoral unerträglich.

    Ob man mehrere Menschen gleichzeitig lieben kann, wie einen Partner, weiß ich nicht. Ich meine, die Liebe, die ich für meine Eltern, meine Schwester oder meinem besten Freunde empfinde ist eine gänzlich andere, als die, die ich für meinen festen Freund empfinde. Aber ich würde es nicht wagen jemanden vorzuschreiben was er zu fühlen hat. Gefühle sind soooo komplex

    Definitiv ein interessantes Thema mit dem man sich heutzutage ja auch mal ohne Scheuklappen nähern kann :)

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    1. Das stimmt, dass viele Zeitschriften über das Thema berichten. Demzufolge ist es zwar kein Tabuthema, aber auch kein Verhalten, was gesellschaftlich akzeptiert ist. Aber deshalb kann man ja drüber gut diskutieren. Ich finde es schwierig, wenn Leute behaupten, dass der Partner eh nicht richtig geliebt wurde, weil der andere z.B. fremdgegangen ist. Diese "eingeschränkte" Sichtweise eben. Wenn Fremdgehen etwas Normales wäre(würde dann sicher auch anders heißen), wieviele Pärchen wären dann noch zusammen und eventuell sogar glücklicher damit wären? WENN es eben normal wäre und gesellschaftlich akzeptiert. Es wäre sehr interessant zu wissen.

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  6. Ich bin ü20, seit vielen Jahren mit meinem ersten Freund zusammen und wir hatten beide vorher mit niemandem irgendwas. Uns ist Sex beiden extrem wichtig (wir haben auch sehr viel, quasi jeden Tag) und ich kann echt sagen, dass ich absolut uneingeschränkt glücklich mit ihm bin. :) Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht dran denke, wieviel Glück ich hab, ihn zu haben. Ich hoffe einfach, dass das so bleibt.

    Ich denke also, das Thema kann man so gar nicht verallgemeinern weil Menschen da so verschieden sein. Bestimmt ist polygam oder eine pffene Beziehung für manche das Richtige. Aber es ist eben auch nicht so, dass Monogamie für niemanden passt. Toll wäre es doch, wenn alles akzeptiert wäre und jeder das raussucht, was zu ihm passt.

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  7. Haha okay. :D Auf jeden Fall macht Monogamie glücklich. Das will ich gar nicht abstreiten. Deshalb erwähnte ich ja die serielle Monogamie. Monogamie im Sinne von nur ein Partner für das ganze Leben (aber dafür müsste man sich kurz vor dem Tod nochmal sprechen, um sich darübre auszutauschen- du hast ja wahrscheinlich noch ein paar Jährchen vor dir) ist, finde ich, für viele nicht möglich. Aber nicht, weil Monogamie nichts für sie ist, sondern weil jemand anderes ankommt, der anscheinend besser zu einem passt usw. Das Leben funkt eben dazwischen.
    Ich meine, dass man nie 100%ig sicher sein kann, dass das ganze für immer hält. Gerade wenn man noch das ganze Leben vor sich hat.

    Gerade der Punkt, dass alles akzeptiert werden sollte, finde ich gut. Aber dass man denkt, dass es nichts für einen ist, weil man so aufgewachsen ist. Das ist ein Punkt, an dem man arbeiten könnte, finde ich. :)

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    1. Natürlich kann man nie wissen, ob es für immer ist... aber das ist doch wirklich jedem klar, oder? Ich hab ja auch gesagt, ich hoffe es, wissen kann ichs niemals. :)

      "Aber dass man denkt, dass es nichts für einen ist, weil man so aufgewachsen ist. Das ist ein Punkt, an dem man arbeiten könnte, finde ich. :)"

      Wenn man mit der monogamen Lebensweise unzufrieden ist, dann sollte man daran auf jeden Fall arbeiten und andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. Aber wenn man absolut zufrieden ist, so wie es läuft, warum sollte man dann was ändern und das überdenken? Da sehe ich den Sinn nicht. :)

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