20.01.2015

clever love description

Wieso sind die Beschreibungen in ausdrücklichen Liebesromanen manchmal so übel schlecht und dann liest man einen ganz normalen Roman, der das Thema nur anschneidet und findet Beschreibungen zu diesem Gefühl so viel akkurater und vor allem unkitschiger?

"Seine Augen schienen jetzt einen Fokus gefunden zu haben, und das war sie."

"Ich bin dabei, mich in einen anderen zu verlieben" verletzte die Eitelkeit lange nicht so sehr wie "Ich höre allmählich auf dich zu lieben."

"Bei Martha kam er sich intelligenter, erwachsener und witziger vor."

"Eine Zeitlang hatte er nur noch mit verhaltender Stimme Witze erzählt. Bei Martha erzählte er sie wieder laut, und Martha lachte, wenn sie etwas lustig fand, und wenn nicht, dann nicht."

"Er konnte es nicht fassen, wie seine Liebe zu Martha alles einfacher machte. Nein, das war nicht das richtige Wort, es sei denn, "einfacher" hieß gleichzeitig auch reicher, dichter, komplizierter, mit Fokus und Echo. [...] Das war das richtige Wort: seine Liebe zu Martha machte alles real."






Barnes, Julian (1999). England, England. Köln: Kiepenheuer&Witsch.

1 Kommentar:

  1. Danke für die Zitate und deine Gedanken dazu! Mir gehts damit genauso. Interessant wäre es jetzt, derartige kluge Sätze über die Liebe auch von weiblichen Autoren daneben stellen - ich habe nämlihc das Gefühl, dass männliche Autoren in Bezug auf das Genre öfter den richtigen Ton finden. Anderer Gedanke: chick-lit soll sich verkaufen -> weniger Geld für Übersetzung und Lektorat. Das macht sich dann eben bemerkbar, wenn man nicht nur auf Inhaltsebene sondern auch auf Stilebene liest...

    liebe Grüße,
    Cara

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