19.09.2015

Immatrikulationshintergrund

Ich finde es immer wieder befremdlich und erstaunlich, wenn Leute Dinge sagen wie "Ach ja, die Studenten haben ein Leben. Das hätte ich auch gern. So viel Freizeit...". Aber von Leuten, die  gerade Anfang/Mitte 20 sind, also wenig älter als ich sind und eben genau das perfekte Bachelorstudiengang-Alter haben. Das sind oft Leute, die gerade in einer Ausbildung stecken oder sogar eine abgeschlossen haben und schon Vollzeit arbeiten.
Oft kommen solche Kommentare leicht verächtlich rüber. Aber was erwartet man denn? Man ist als Student doch kein Arbeitnehmer in Vollzeit und hat dementsprechend mehr Zeit für sich. Also theoretisch. Wie viele Studenten gibt es denn, die ohne Nebenjob ihren Lebensunterhalt bestreiten können? Studenten lernen also und sie arbeiten zusätzlich, damit sie sowas wie ein geregeltes Einkommen haben. Was mich an der ganzen Sache aber so stutzig macht und verärgert, ist wenn sich so viele Arbeitende Anfang 20 schon darüber beschweren, dass Studenten so viel Freizeit (ha! Geisteswissenschaften!) und Ferien haben, wieso fangen sie nicht selbst ein Studium an? Keiner verbietet es einem zu studieren; und das Abitur zu schaffen ist nun wirklich sehr machbar. Ist es nicht die eigene Entscheidung gewesen eine Ausbildung anzufangen? Wahrscheinlich gerade deswegen, weil man Geld verdienen wollte? Außerdem kann man nach einer Ausbildung schließlich immer noch studieren gehen. So ein Studium hat wohl kaum eine Altersbegrenzung. Ja nee, so ein Studium ist ja wiederum verbunden mit Klausuren, Seminaren, Vorlesungen, 15-seitigen Hausarbeiten,Referaten und stellenweise auch noch mit Anwesenheitspflicht. Nanu? Wer hätte das gedacht.

Da wird man dann als Student blöd von der Seite angemacht, weil man einen akademischen Weg einschlagen möchte.  Ich finde es übrigens toll, wenn Leute eine Ausbildung machen. Da schaue ich auch nicht auf irgendwen runter und beschwere mich darüber, dass er Gehalt bekommt. Wtf man.

Kommentare:

  1. Ich kenne eher das Gegenteil.

    Ich habe eine Ausbildung gemacht und durfte mich seither nur mit Gelaber wie "Waaaas aber aber aber ohne Studium bekommst du heutzutage doch niiie einen guten Job!", "Ausbildung ist nur was für langweilige Dorfkinder!" und "Ohne Studium bleibste dumm!" zumüllen lassen.
    Ohne Studium ist man heute quasi nichts mehr wert, habe ich oft das Gefühl -_-
    Für mich wäre ein Studium trotzdem nichts, da ich schon Schule stark gehasst habe^^

    Komme aber auch aus einer DER Studentenstädte...wahrscheinlich liegt es daran.

    AntwortenLöschen
  2. Mein Bruder studiert und mein Ehemann hat (fertig) studiert. Ich habe im Gegenzug eine Ausbildung gemacht. Und es gibt sich beides nichts. Ich bin nach der Arbeit heim gekommen und musste abends noch lernen und Hausaufgaben machen. Bei Semesterbeginn ging es den anderen beiden noch gut. Sie hatten relativ viel Freizeit. Aber je näher die Prüfungen kamen desto straffer wurde auch deren Lernplan. Und das jedes Semester. Ich hatte das nur am Ende meiner Ausbildung (okay, und eben bei den Schulaufgaben. Aber ich durfte während der Arbeitszeit lernen.) Daher gibt sich beides in Sachen "Freizeit" nicht viel.

    Jetzt bin ich fertig mit meiner Ausbildung und hab mehr als genug Freizeit ^_^ Ich weiß daher gar nicht wieso Erwachsene immer diesen Spruch bringen. Ich komme nach der Arbeit heim und habe Freizeit. Kochen muss ja eh jeder und Haushalt wird aufgeteilt und aufs Wochenende verschoben :p Bzw alles Dinge, die auch alleinlebende Studenen / Azubis machen müssen... Ich trauere der Ausbildungszeit definitiv nicht nach und die Studenten habe ich auch nie um ihre "Freizeit" beneidet.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Naja, mein Reden! Letztendlich macht man einen Ausbildung oder ein Studium ja nur, um später einen guten Beruf zu haben. Ob Studium oder Ausbildung (oder sogar gar nichts? :O) ist letztendlich egal.

      Löschen
  3. mich regen solche kommentare total auf. ich studiere architektur und habe gerade ein 2-monatiges praktikum in einer tischlerei gemacht. da musste ich mir mit 22 jahren sowas von dem 17-jährigen azubi anhören.. dem noch wirklich alles offen stünde hätte er die schule nicht zu früh verlassen, dafür habe ich drei jahre länger die schule besucht und arbeite im semester genauso viele wochenstunden für das architekturstudium wie er in seiner lehre und ich kriege dafür NICHTS. ich studiere 10 semester ohne dafür was zu bekommen... und wenn ich dann zeit habe gehe ich arbeiten.,.pffff

    AntwortenLöschen
  4. Von meiner Familie muss ich mir ab zu anhören, dass ich studieren muss, wozu hab ich sonst Abi gemacht(sagen meine Geschwister), die Eltern sagen "Hättest einfach ne Ausbildung gemacht, wenn du eh nicht studieren willst". Und was war? Nichts von beidem, hab keine Ausbildung und kein Studium, weils in meinem Berufszweig einfach keine Rolle spielt. Das muss jeder für sich persönlich entscheiden. Letztendlich muss man in seiner eigenen Haut leben und mit sich selbst zufrieden sein. Was nützt es einem die Anderen zufrieden zu machen? Es wird immer jmd geben, der etwas auszusetzen hat. Dann kann man das alles wenigstens so hinbiegen, dass man mit sich selbst gut leben kann.

    AntwortenLöschen